Besi & Friends, veröffentlicht am 09.05.2022
Unser Freund Martin Müller, der seit Jahren an Morbus Bechterew leidet und dem die Wirbelsäule versteift worden ist, hat am Wochenende den Innsbruck Trailmarathon gelaufen.
Hier sein ausführlicher Bericht, viel Spaß beim Lesen:
Trailmarathon nicht nur 42,2 Kilometer sondern auch 1600Hm überwinden war das Ziel, dass ich mir bei meiner Anmeldung im Oktober für Innsbruck gesetzt hatte.
Nach durchwachsener Vorbereitung ging es am Freitag den 6.5.2022 nach Innsbruck.
Noch war alles entspannt: Startnummer holen, Pflichtausrüstung kontrollieren lassen. Danach Abendessen und versuchen doch zu schlafen. Die Anspannung wächst. es ist schließlich erst das zweite mal ( nach 2019 Karwendelmarsch) das ich mich in das Abenteuer Trailrun stürze. Langt die Kraft , reicht die Luft ? Das sind so die letzten Gedanken beim Einschlafen aber auch beim Aufwachen !! Blick aus dem Fenster. Dauernieselregen.
Der wird uns auch über den ganzen Tag begleiten. Dann geht es zum Start nach Kranebitten. Die Anspannung wächst nun doch deutlich. Punkt 7.30 Uhr geht es los. Mein Ziel : Ankommen . Zeit ist sekundär aber unter 7h wäre schön.
Nach den lockeren ersten ca 8 Kilometer ging es richtig los. Der große Anstieg mit 800Hm am Stück über 8,7 Kilometer. Kräfte einteilen war mein einziger Gedanke. Nicht überziehen ! So kam ich auch gut an der zweiten Kontrolle an.
Jetzt läuft es ja locker war so der Plan . Ruhig nach Hause laufen. Gefühlt noch top fit und kaum schweres Atmen, obwohl der Pneumologe bei der letzten Untersuchung vor dem Run eine erneute Verschlechterung meiner Vitalkapazität diagnostiziert hatte. Egal . Nicht weiter damit beschäftigen weiter geht´s. Der nächste vermeintlich leichte Abschnitt hat mich dann brutal auf den Boden der Realität geholt. Vier Kiolometer relativ steil bergab haben fast alles an Energie und Kraft gekostet. Bei Kilometer 28 war dann gefühlt die Kraft am Ende und doch noch 14 Kilometer bis zum Ziel. Was tun ? Aussteigen ? Aufgeben ? NEIN, weiter machen. Egal wie besch... es mir jetzt geht, Aufgeben kann keine Option sein. Also weiter gekämpft. Auch mit Gehen kommt man ans Ziel. Puh mühsam und doch immer wieder der Gedanke, gestärkt aus dem Erlebnis zu gehen. Endlich die letzte Kontrolle. Jeder Gedanke ans Aufgeben war wie weggeblasen. Die Euphorie das Ziel vor Augen zu haben verleihen mir noch mal Flügel. Und dann ist es soweit Innsbruck world erreicht und gefinisht. Leider mit 7:22h etwas langsamer wie gehofft. Spielt in dem Moment aber keine Rolle mehr. Das Gefühl nicht aufgegeben zu haben sondern weiter gekämpft zu haben ist unbeschreiblich. Totales Gefühl des glücklich und auch stolz sein macht sich breit. Von Müdigkeit keine Spur mehr. Ein weiterer mentaler Erfolg im Kampf gegen meine fortschreitende Autoimmunerkrankung.
LG Maddin