Besi & Friends, veröffentlicht am 14.06.2024
Hallo, ich bin der Axel. Bei mir wurde in 07/2015 MS diagnostiziert. Meine linke Seite ist betroffen, so dass mir das Gehen / Laufen nur schwer möglich ist. Doch anstatt den Kopf in den Sand zu stecken und mich meinem Leiden hinzugeben, habe ich mir ein Therapierad angeschafft. Denn die geführte Bewegung auf den Pedalen kann ich noch.
Seit 01/2017 mache ich, im Rahmen meiner Möglichkeiten, damit meine Heimat unsicher. Erst waren nur ernüchternde 2,5 km möglich. Doch durch stetiges, vorsichtiges Training, war es möglich, die Strecke von Monat zu Monat um 1 km zu erweitern.
Natürlich gab es auch Rückschläge. In mittlerweile über 500 Fahrten habe ich Ende Dezember 2023 die 10.000-km-Marke überquert. Allein im letzten Jahr waren es über 3.100 km.
Seit 2022 messe ich mich jährlich mit meinen Kollegen bei der Aktion STADTRADELN, weil ich für mich auch mal wissen wollte, wo ich im Gegensatz zu gesunden Menschen stehe. Ein 8. und ein 3. Platz (bei jeweils gut 80 Mitstreitern) war das Ergebnis.
Dieses Jahr, in der Woche vor Pfingsten, wollte ich eine 3-tägige Radtour in der Eifel machen. Für gesunde Menschen vielleicht nichts Großes. Für mich ein Lebenstraum.
Es werden an den 3 Tagen ca. 120 km und mehrere 100 Höhenmeter sein, die ich vor der Brust habe und auf die ich hintrainiert habe, denn in dem Umfang und diese Belastung in der Kürze der Zeit, ist das was völlig Neues für mich und meine MS.
Am 14.05.2024 war es so weit. Der durch die Fa. Sodermanns in Wassenberg zur Verfügung gestellte Wagen war abgeholt und gepackt, meine Schwester als Begleitung da, der Drehort/Uhrzeit mit dem Kamerateam des WDR abgesprochen. Link zur Mediathek »
Also müssen wir nur noch liefern.
Machen ist wie wollen, nur krasser!
Los ging es kurz nach 07:00 zuhause, um uns kurz vor 09:00 mit dem Drehteam in Zilsdorf bei Hillesheim zu treffen. Was jetzt folgte, verlief wie im Traum. Ich war schon im Tunnel.
Ausladen, fertigmachen, Absprachen treffen, wo das Kamerateam auf mich warten sollte bzw wo ich eh Pausen machen wollte. Alles 1.000x durchgedacht und musste nur noch abgerufen werden. Schublade auf, fertigen Plan raus und abgehakt.
Der erste Anstieg hatte die größten Steigungen. 4% kannte ich von zuhause, aber bis zu 8% war eine neue Erfahrung. Die beiden anderen Anstiege hatten auch so ihre Höhen, aber nicht mehr ganz so krass. War ich gut vorbereitet? Hat sich die Anpassung vom Trike gelohnt? Ein kleiner Zweifel blieb, aber eigentlich bin ich durch meinen Physiotherapeuten Sebastian von der Physiotherapie Robert Pütz in Baal gut vorbereitet worden.
Also seine Ratschläge beherzigen, Kopf zwischen sie Schultern und durch! Bei dem herrlichen Wetter war der erste Berg zwar kein Spaziergang, aber die Technik schien gut abgestimmt zu sein und meine Muskeln spielten mit. Kurz vor Ende des 2. Berges dann eine der geplanten Pausen. Was macht mein Körper, was macht der Akku, was ist das nächste Vorhaben vom Kamerateam, wo treffe ich meine Schwester das nächste Mal.
Die Anspannung wich langsam dem Genuss. Der dritte Berg und die Fahrt zum Dauner Bahnhof verliefen eher unspektakulär. Der Akku hielt auch und durfte bis zum Ziel weiter seinen Dienst verrichten. Nach 20 min. Pause, einem weiteren Interview, einen Energieriegel später und innerlich aufgepusht ging es an die letzte Etappe auf den Maare-Mosel-Radweg. Fast 3 KM moderate Steigung (ist ja eine alte Bahntrasse), es ging stetig Berg an. Nochmal 100 Höhenmeter bis zur Spitze des Anstieges.
Meist verlief der Weg durch einen schattigen Wald und oben ein echtes Novum. Ein alter Eisenbahntunnel, beleuchtet und vor allem kühl. Danach nochmal gut 1 KM leichte Abfahrt und ich war im Ziel. Der MS hatte ich die lange Nase gezeigt! Ich fühlte mich wie der König der Welt. Die erste 25 KM waren geschafft. Eigentlich nicht der Rede wert, aber bei dem Streckenprofil.
Am nächste Tag ein ganz anderes Bild. Der Himmel grau und wolkenverhangen, leichter Niederschlag, der eigentlich eher als erhöhte Luftfeuchte durchging als als Regen. Die Entfernung von über 50 KM bis Bernkastel hatte ich drauf. Nur ging das direkt nach der Leistung am Vortag? Heute sollte meine Schwester mich auf einem E-Bike begleiten.
So wurde es eine kurzweilige Tour und wir merkten gar nicht, wie die KM vergingen. Erst nach Wittlich, wieder durch diesmal 3 Tunnel, danach in Richtung Bernkastel am Flüsschen Lieser entlang und schließlich im Uferpark an der Mosel zum Treffpunkt in Kues, wo ein Mitarbeiter vom Wohlfühlhotel Michels in Schalkenmehren uns abholte. Ein fast perfekter Tag mit etwas Niederschlag…. Wobei, welcher Niederschlag??
Der 3 Tag führte mich auf den Vennbahn-Radweg von Kalterherberg nach Aachen. Das Navi hatte Pause, denn es gab nur diesen einen Weg. Durchlaufpunkte mit meiner Schwester abgesprochen und los ging`s. Es lagen wieder etwas mehr wie 50 km vor mir und bei dem anfänglichen Kaiserwetter keine große Sache. Auch am 3.Tag war die MS nur stiller Beifahrer.
Also ab durch die Ausläufer des Hohen Venn. Viele Bilder und Videos zwischendurch gemacht. Nach 2,5 von 3,5 Stunden fingen meine Oberschenkel etwas an zu zicken. Meine mittäglichen Medis eingeworfen (Muskelrelaxat/Magnesium) und es wurde merklich ruhiger. Die Entfernung auf so kurzer Zeit forderte halt doch ihren Tribut.
Die restlichen km vergingen im Flug, bis auf den letzten. Da kam auf einmal ein Platzregen herunter. Zu schnell um sich noch in die Regenklamotten zu schmeißen. Also Augen zu und durch. Am Ziel in Aachen war der Guss schon fast wieder Geschichte. Ich fühlte mich kaputt aber überglücklich, das geschafft zu haben. 120 km in 3 Tagen über die Berge der Vulkaneifel lagen hinter mir. Daran war vor Jahren noch nicht zu denken. Die Anschaffung des Hase Trikes war ein echter Glücksgriff.
Die Diagnose MS muss nicht das Ende sein und unweigerlich im Rollstuhl enden. Es kann auch, wenn vieles Gutes zusammenkommt, der Beginn eines tollen neuen Lebensabschnitts sein. Ich nenne ihn mein Leben 2.0. Gleicher Körper, neue Version.
Die Aufmerksamkeit, die ich durch diese Aktion habe, möchte ich für ein Spendenevent zu Gunsten der Stiftung BESI&FRIENDS nutzen. Die Stiftung unterstützt Betroffene mit neurologischen Erkrankungen dabei, Hilfsmittel zu finanzieren, wenn die Krankenkassen diese nicht oder nur zum Teil zahlen. Eine Stiftung, deren Arbeit mir sehr am Herzen liegt und die mir viel Ungemach erspart hätte, wenn ich sie nicht erst vor zwei Jahren kennen gelernt hätte.
Wenn ihr meine Spendenaktion unterstützen wollt und meint, das ist eine tolle Leistung trotz meiner Behinderung, bitte ich um eine Spende an folgende Bankverbindung:
Besi&Friends-Stiftung
Frankfurter Volksbank Rhein/Main, IBAN: DE25 5019 0000 6003 5016 61
Verwendungszweck: EIFEL + die vollständige Adresse (für die Spendenquittung)
Bisher sind schon Spenden in Höhe von 880.- € eingegangen.
Den WDR-Beitrag findet ihr in der ARD Mediathek / WDR Lokalzeit Aachen vom 15.05.2024 ab min. 21:50
Euer Axel Manns aka MS Rollirooky